Der Katalogix im Interview mit Thomas Wehlmann

Hi Thomas, wir kennen uns jetzt schon über 15 Jahre, mit Katalogkonzepten sind wir Ende der 90er Jahre gestartet und nun sitzen wir hier im beschaulichen Münsterland, und vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Was führte euch dazu, hier im Münsterland eine neue Agentur zu gründen?

Thomas: Ja, das stimmt, mit Katalog-Analysen und Katalogkonzepten über unsere Katalogie-Philosophie fing alles an. Ich denke, die sich so schnell verändernde Welt, gerade eben auch im B2B-Bereich, zwingt uns alle, sich den Veränderungen immer wieder anzupassen und seine Positionierung zu korrigieren. Hier im Münsterland haben wir das ideale Umfeld gefunden, die ländliche Idylle für Kreativprozesse zu nutzen und zugleich nah genug an einer funktionierenden Infrastruktur zu sitzen, um alle deutschen Regionen schnell erreichen zu können. Hier am Standort Lüdinghausen wurde ein Team von Kommunikationswissenschaftlern, Grafikdesignern und IT-Ingenieuren aufgebaut.

 

Katalogix: Du sagtest mir im Vorfeld unseres Interviews, dass ihr euch jetzt mit 3 starken Marken für den Mittelstand hier in Lüdinghausen aufgestellt habt. PIMagento kenne ich natürlich, aber wofür stehen jetzt die Marken P7 Kommunikation und netbase P7?  

Thomas: Die P7 Kommunikation hat sich gegenüber unserem früheren ganzheitlichen Marketing-Ansatz nun ausschließlich auf das Produktmarketing und die daraus abzuleitende Produktkommunikation im B2B-Umfeld fokussiert. Mit diesen beiden Schwerpunkten unterstützen wir unsere Kunden in einer angepassten oder neuen Produkt-Positionierungs-Strategie, indem wir den Produktnutzen konkret an den Bedarfen der Zielgruppen ausrichten. Damit schaffen es unsere Kunden, ihre Produkte aus der Vergleichbarkeit zu retten, dem Preisdruck zu entkommen und damit für Produkt und Marke eine echte Differenzierung und Alleinstellung aufzubauen. P7 steht für unser über 20 Jahre erfolgreich aufgebautes 7-Phasen Modell, mit dem wir hinterfragen, bewerten, analysieren und diskutieren. Nach diesen ersten 4 Phasen entwickeln wir eine neue oder angepasste Kommunikationsstrategie, entwickeln Marketingmaßnahmen und beraten bei Prozessen und Softwarelösungen hinsichtlich einer effizienten Produktkommunikation. Aber das eben immer mit dem Wissen um die Rahmenbedingungen des Mittelstandes und auf Augenhöhe mit den Unternehmern und Führungskräften.

 

Katalogix: Das klingt ja absolut schlüssig, denn aus unserer Zusammenarbeit heraus weiß ich, dass die zunehmende Komplexität der Medienlandschaft die knappen Marketingressourcen im Mittelstand zunehmend überfordert, und die Unternehmen einen Partner brauchen, der Strategie, Marketing und Produktkommunikation ganzheitlich orchestrieren kann. Whow ich bin begeistert. Und was macht dann jetzt die netbase P7?

Thomas: Die netbase P7 bildet die Schnittstelle zwischen der P7 als Marketing-Agentur und der technologischen Umsetzungsplattform. Heute wissen wir, dass jede Anforderung und jedes Konzept immer unternehmensspezifisch ist und nicht mit reduzierten Inhouse-Standards für den Kunden erfolgreich umgesetzt werden kann. D.h. wir brauchen immer wieder spezielles Expertenwissen, das wir nur über Netzwerke einbinden können. Und so haben wir uns dazu entschlossen, die netbase P7 ausschließlich mit Projektmanagern zu besetzen, die aufgrund Ihrer Ausbildung und ihrer Berufserfahrung die komplexen Produktkommunikations-Projekte über ein crossmediales Expertennetzwerk koordinieren. Konkret heißt das, dass die P7-Marketing-Experten das Projekt vollumfänglich an die IT-Ingenieure übergeben, aber danach auch im weiteren Projektverlauf immer eingebunden bleiben. Mit dem mittel- und langfristigen Hintergrundwissen zu den strategischen Zielsetzungen des Kunden entwickelt das Team der netbase P7 Datenmodelle sowie Prozesse und Feinspezifikationen, mit denen man dann an die System- und Dienstleisterauswahl geht.

 

 

Katalogix: Jetzt wissen wir beide ja, wie groß der Anbietermarkt gerade im PIM-Umfeld (Produkt-Informations-Management) ist. Wie will das die netbase P7 denn Überblick behalten?

Thomas: Das stimmt natürlich. Wir beobachten den Anbietermarkt ja bereits seit vielen Jahren und haben in der Vergangenheit auch mit einigen dieser Systemanbieter eng zusammen gearbeitet. Aber keiner dieser Anbieter passt wirklich zu den mittelständischen Anforderungen. Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen und in den Unternehmen Geld verbrannt, dass es schon kaum noch nachvollziehbar ist. Die proprietären Systemlösungen haben sicherlich ihre Daseinsberechtigung, wenn es um international vernetzt aufgestellte Unternehmen geht, die komplexe Prozesse und Workflows abbilden müssen. Aber unsere Zielgruppe ist eher lokal aufgestellt, hat kein oder nur ein sehr kleines Marketing-Team und pflegt die Produktinformationen häufig in Personalunion. Die netbase P7 hat sich ausschließlich dem Open Source Ansatz verschrieben und bietet damit Softwarelösungen an, die meist ganz ohne Lizenzkosten betrieben werden können oder ein Lizenzmodell mitbringen, das in den mittelständischen Budgetrahmen realistisch reinpasst. Mit PIMagento haben wir bereits vor einigen Jahren den Beweis erbracht, dass wir mit dieser Sichtweise sehr erfolgreiche Mittelstandsprojekte realisiert bekommen.

 

Katalogix: Jetzt lass mich noch einmal kurz zusammenfassen. Die P7 Kommunikation und die netbase P7 sind also quasi eine verschmolzene Einheit hier am Standort Lüdinghausen. Und die netbase P7 koordiniert ein Netzwerk an Kooperationspartnern. Wer ist denn dann Vertragspartner der Kunden?

Thomas: So wie die Kunden einen zentralen Ansprechpartner aus der Zusammenarbeit mit der P7 Kommunikation haben, der sie dann auch über die netbase P7 flankierend weiterbetreut, so bleibt auch die P7 Kommunikation der weitere Vertragspartner! Denn wir sind überzeugt von dem, was wir hier geschaffen haben, leben es mit Herzblut und tragen dann natürlich auch die gesamte Projektverantwortung. Und das brauchen die Kunden eben auch.

 

Katalogix: Das klingt ja wirklich sympathisch und vertrauenserweckend. Aber sag mir doch jetzt noch etwas zu der Erfolgsgeschichte PIMagento und wie es sich weiterentwickeln soll.

Thomas: Als wir PIMagento vor gut 5 Jahren entwickelten, war Magento als erste Open-Source-Shop-Software gerade einmal 2 Jahre auf dem Markt. Wir haben schnell erkannt, dass das zugrundeliegende EAV-Datenmodell in seiner konzeptionellen Struktur einem PIM-System sehr ähnlich ist. Da wir parallel PIM-Bedarfe bei unseren Kunden vorfanden, diese aber nicht bereit waren 50.000 Euro und mehr an Lizenzkosten zu investieren, haben wir Magento über Extensions angereichert, um Datenpflege, Medienverwaltung und Publishing zu ermöglichen. Nach den ersten beiden erfolgreichen Installationen und der enormen Nachfrage haben wir uns zu der Marke PIMagento entschlossen. Der Software-Markt hat diese Bedarfe offensichtlich schnell erkannt, und so entstanden dann im Nachgang Produkte wie pimcore oder Akeneo. Auch wenn wir mit PIMagento die ersten am Anbietermarkt waren, die eine Open Source PIM-Lösung anbieten konnten, sind die Nachfolgeprodukte ähnlich ausgereift und bringen Ihre eigenen Stärken und Schwächen mit. Wir sind aber sehr froh, dass hier Marktbegleiter entstanden sind, um so auch je nach Projektanforderung auf einen dieser Lösungsansätze zurückgreifen zu können.

 

Katalogix: D.h. das neue Wettbewerbsumfeld kommt euch also eher zugute als dass es euch schadet? Das ist ja eher ungewöhnlich, wo doch jeder eigentlich um seine Pfründe schachert.

Thomas: Ja, genauso ist es. Die Softwarehersteller müssen ihre Lizenzen verkaufen – egal ob es gerade mal zum Projekt und Unternehmen passt oder nicht. Du glaubst gar nicht, wie viele Software-Installationen ich bei Unternehmen angetroffen habe, die absolut overengineered waren oder einfach die Bedarfe nicht erfüllt haben. Da sind Software-Lizenzen an Ahnungslose verkauft worden, das kann man sich nicht vorstellen. Und wir sind eben in der Situation, über den lizenzkostenfreien Open-Source-Ansatz kein Geschäft mit der Software machen zu müssen. Uns ist immer nur an einem erfolgreichen Projekt gelegen, dass wir nachhaltig weiterbetreuen können. Und deshalb weichen wir eben je nach Projektanforderungen durchaus auf ein PIM-Akeneo oder ein pimcore aus. Das macht es ja für uns gerade auch so sympathisch, Marktbegleiter mit der gleichen Philosophie gefunden zu haben.

 

Katalogix: Das leuchtet auch mir als Katalogexperten ein. D.h. ja dann eigentlich auch, dass die netbase P7 den Kunden systemneutral beraten kann.

Thomas: Genau, das hast du sehr gut erkannt. Und der Unterschied zu den üblichen Systemberatern am Markt ist eben, dass wir den Kunden nach der Beratung mit einer Systemempfehlung nicht alleine lassen, sondern das Projekt operativ weiter begleiten und immer Ansprechpartner des Kunden sind. So stehen wir eben auch bei möglichen Fehlentscheidungen immer noch in der Verantwortung und sind für den Kunden greifbar. Das bietet unseren Kunden ein enormes Gefühl der Sicherheit.

 

Katalogix: Ja, und wie geht es mit PIMagento jetzt weiter?

PIMagento wird im Partnernetzwerk nach unseren Vorstellungen und den spezifischen Projektanforderungen der Kunden permanent weiterentwickelt. Zwischenzeitlich wurde eine eigene MAM-Extension entwickelt, die uns aus der latenten Abhängigkeit eines Fremdanbieters entlässt – und wir haben damit einen weiteren Open-Source-Meilenstein geschaffen. Mir würde natürlich noch vorschweben, eine Open-Source-Database-Publishing-Software ins Leben zu rufen. Hier werden wir die nächsten Monate abwarten, wie flexibel der Anbietermarkt da auf unsere Vorstellungen reagieren wird.

 

Katalogix: Was mir gerade zum Schluss noch einfällt…vorhin bin ich an deinem Büro vorbeigekommen und sah da ein Skript mit dem Titel „Die Zukunftstrends im Produktmarketing“ liegen. Was hat es damit auf sich?

Thomas: 20 Jahre Produktmarketing im Mittelstand wollte ich auf der einen Seite für mich einmal revuepassieren lassen, kam dann aber auf die Idee statt zurückzublicken, eher einen Ausblick zu geben. Und genau daran schreibe ich gerade und plane die Veröffentlichung für den Herbst dieses Jahres. Soll ich dich für die Verteilung bereits vormerken lassen?

 

Katalogix: In jedem Fall. Darauf bin ich dann schon ganz gespannt. Dann bedanke ich mich ganz herzlich für das Gespräch mit dir und zieh mich dann mal wieder in mein Katalog-Archiv zurück.

Thomas: Ich danke dir.

Und wenn auch Sie Interesse an den „Zukunftstrends im Produktmarketing“ haben, registrieren Sie sich hier über unser Kontaktformular. Dann sind Sie mit Sicherheit einer der ersten, die ein druckfrisches Exemplar in Händen halten werden.

 

Vorstellung der Gesprächspartner 

 

Katalogix

Seit 15 Jahren fester Bestandteil des Teams und ausgewiesener Katalog-Wissenschaftler. Unter seiner Leitung entstand die Katalogie, ein wissenschaftlicher Ansatz zur Analyse und Bewertung von Produkt-Katalogen. Unter seiner Regie wurden Katalog-Benchmarks ausgezeichnet und wegweisende Katalogkonzepte entwickelt. Mit seinem Ziehvater Thomas zusammen sind so ganz andersartige Katalogkonzepte entstanden. Der Katalogix lebt die ganze Woche im Katalog-Archiv und kommt nur zu Team-Meetings oder Presseterminen in die Öffentlichkeit. Ansonsten widmet sich Katalogix mit seiner ganzen Energie der Katalogforschung. Als neustes Projekt entstehen gerade in seiner Schmiede viele Ideen zum MAGALOG, eine Kombination aus Produktkatalog und Produktmagazin. Und diese Konzepte werden dann crossmedial mit sinnvoller Web-Verknüpfung entwickelt. Glücklicherweise hat der Katalogix seinen Sohn mittlerweile an seiner Seite, um so visionäre und zukunftsorientierte Gesamtkonzepte erforschen zu können. Aber den stellen wir Ihnen erst beim nächsten Mal vor. Der lebt nämlich nicht im Katalogarchiv, sondern in der Katalogie-App.

 

Thomas Wehlmann

25 Jahre Kataloge, Produkte, PIM und Database-Publishing prägten Thomas Wehlmann und führen ihn bereits in den 90er Jahren in die Strategielehre. 2002 gründete er innerhalb der Unternehmensgruppe Wehlmann die Inhouse-Agentur Wehlmann-Marketing, die sich in den Folgejahren auf strategisches Marketing, Katalog- und Online-Marketing fokussierte. Als ausgewiesener Katalogexperte arbeitete er mit seinem damaligen Katalolg-Team bereits Ende der 90er Jahre mit der Blickverlaufsdokumentation über die Augenkamera und setzte eine Datenbank zur Katalog-Analyse auf.  Seit Anfang 2015 hat Thomas Wehlmann sich und die Agentur noch einmal neu erfunden und mit der P7 Kommunikation eine Spezialagentur für Produktmarketing aufgebaut.